Schrankwand in der Küche der Guten Stube Bersbuch. Foto by Nina Bröll.

Sonderpreis beim Staatspreis Design 2026 — Zukunft ist Gut.

Die Stube hat einen Preis gewonnen. Einen großen sogar. Den Sonderpreis beim Staatspreis Design 2026 — der höchsten staatlichen Auszeichnung für Gestaltung in Österreich. Verliehen am 16. April 2026 im Wiener MuseumsQuartier, durch das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus. 176 Projekte aus ganz Österreich waren eingereicht. Die Gute Stube ist dabei. Eine gute Geschichte.

Was die Jury sagt

„Mit minimalen Mitteln gelingt eine vollständige atmosphärische Metamorphose. Statt klischeehafter Jugendästhetik setzt die Gestaltung auf eine unaufgeregte Qualität, die Räume öffnet. Herausragend ist der kollaborative Prozess, durch den ein Ort hoher Resonanz entstand, der soziale Teilhabe beispielhaft vorlebt.“

Wie das Gute entsteht

Die Stube ist kein lauter Umbau. Sie ist eine Weitererzählung. Ein Schulgebäude, das jahrzehntelang täglich genutzt wurde, stand nur kurz still — und ging fast nahtlos in eine neue Rolle über. Das prägt ihren Charakter bis heute.

Der Ausgangspunkt war eine einfache Frage: Wie wird ein ganz normales Schulgebäude zu einem Ort, der jungen Menschen guttut und gleichzeitig für alle offen bleibt? Keine perfekte Lösung von außen — sondern Räume, die willkommen heißen und niemandem etwas abverlangen.

Was dann passiert ist, war im besten Sinne gemeinsam. Ein Team aus Pädagogik, Gestaltung, Kulturmanagement, Handwerk und Architektur — jede mit ihrer Kompetenz, alle mit derselben Haltung. Architektin Nina Beck brachte den räumlichen Blick: Transformation als Fortschreiben, nicht als Auslöschen. Spuren wurden freigelegt, nicht verdeckt. Warme Terrazzofliesen, sichtbare Materialien, die Patina im Treppenhaus. Die im Bestand vorgefundenen Farben wurden Grundlage für das gesamte und großzügige Farbkonzept — Ton in Ton, ruhig, verbindend. Die alten Kästen aus dem Lehrerzimmer wurden nicht entsorgt. Sie fanden ihren Platz in der Küche — dem Herzstück des Hauses. Aus scheinbaren Resten wurden Ressourcen. Aus einer leeren Schule ein Ort voller Leben.

Jugendliche wirkten beim Aufbau mit. Die Gemeinde Andelsbuch packte mit an. Die Raiffeisenbank Mittel- und Hinterbregenzerwald unterstützte finanziell. Regionale Handwerker:innen aus dem Bregenzerwald und das Team der OJB setzten um. So entsteht etwas Gutes — durch klare Haltung und echten Einsatz.

Was die Stube tut

Die Stube ist mehr als ein Jugendhaus. Sie ist ein offener Begegnungsort für alle Generationen – für junge Menschen, die einfach ankommen, reden, werkeln, kochen oder sich zurückziehen wollen. Ohne Leistungsdruck, ohne Konsumzwang, ohne Erwartung. Und gleichzeitig ein Ort, der Vereinen, Gruppen und der ganzen Gemeinde offensteht.

Im ländlichen Raum sind solche Orte – die sogenannten Dritten Orte – noch selten. Die Stube füllt diese Lücke – nicht nur für Bersbuch. Sie Anlaufpunkt für Menschen aus dem gesamten Bregenzerwald und darüber hinaus.

Das Vorarlberger Architektur Institut bringt es auf den Punkt: „Eine Transformation als Architektur, die keine großen Inszenierungen braucht, sondern Räume schafft, die Selbstermächtigung erlauben.“

Warum das wichtig ist

Dass eine Organisation der Offenen Jugendarbeit einen Designpreis dieser Kategorie gewinnt, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Stube kommt aus der sozialen Arbeit — und hat sich mit gestalterischer und inhaltlicher Qualität durchgesetzt. Nicht trotz ihres sozialen Auftrags, sondern wegen ihm.

Gestalterische Qualität und soziale Wirkung sind keine Gegensätze. Gerade dort, wo Räume bewusst als Werkzeuge für Gemeinschaft, Teilhabe und Zugehörigkeit verstanden werden, entsteht etwas, das trägt. Etwas Gutes eben.

Die Ausstellung

Alle prämierten Projekte sind in der Wanderausstellung „Best of Austrian Design“ zu sehen:

  • designforum Wien: 17. April – 21. Mai 2026
  • designforum Vorarlberg: 8. Juni – 27. August 2026
  • designforum Tirol: 22. September – 23. Oktober 2026

Das Gute Team

Architektur: Nina Beck
Räumliche Gestaltung und Konzept: Simone Angerer
Projektleitung: Simone Angerer und Katharina Kleiter (bis Oktober 2025)
Umsetzungsarbeiten und Mitarbeit: Anna Hopfner, Sarah Greber, Stefanie Weis, Agnes Hollenstein
Beauftragung: OJB – Offene Jugendarbeit Bregenzerwald, Agnes Hollenstein
Ausführung: Tischlerei Geser, Elektro Willi, Stipo Fußböden, Vigl & Strolz, Troy GmbH, Jodok Dietrich Abbrucharbeiten, Nigano IT, Siegfried Steurer Installationen, Bauhof-Team Gemeinde Andelsbuch
Fotografie: Nina Bröll